Neulich während eines Spaziergangs mit unseren beiden Hunden.
Mitten im Wald begegnet uns ein Spaziergänger mit einem großen Dobermann. Als der Dobermann uns sieht, läuft er schnurstracks auf unsere Hündin zu. Sein Herrchen kommt auf uns zu und sagt, dass unsere Hündin sich immer so freut seinen Hund zu sehen, weil sie stark mit dem Schwanz wedelt.
Das "Schwanzwedeln" - nicht immer nur Freude ...
Immer noch glauben viele Menschen und auch viele Hundebesitzer, dass Schwanzwedeln ein Ausdruck der Freude sei. Das kann sein, muss aber nicht. Es lohnt sich, bei einem schwanzwedelnden Hund genauer hinzusehen. Vielleicht entdeckt Ihr dann noch weitere Körpersignale. Im Fall unserer Hündin war es so, dass sie sich zusätzlich zum Wedeln noch über die Schnauze geleckt und den Kopf abgewendet hat. Das waren klare Beschwichtigungssignal. Sie hat damit dem Dobermann gezeigt, dass sie sich bedroht fühlt, sie selbst aber keine bösen Absichten hat. Freude war da definitiv nicht im Spiel.
Also, wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, kann das völlig unterschiedliche Gründe haben. Er kann sich freuen, es kann aber sein, dass er ängstlich, gestresst, unsicher oder gar aggressiv gestimmt ist.
Hunde verfügen über eine Vielzahl sogenannter Beschwichtigungssignale. Für uns ist es einerseits spannend, diese zu kennen aber auch sehr hilfreich im richtigen Umgang mit unseren Fellnasen.
In unserer Hundeschule beschäftigen wir uns schon seit längerer Zeit mit diesem Thema. Es hilft uns während unserer Hundetrainings das Verhalten der Hunde besser einzuschätzen.
Hier noch weiteres Beispiel für ein Beschwichtigungssignal:
Das Gähnen - nicht immer nur müde ...
Kunden haben uns in einem Einzeltraining mitgeteilt, dass ihr Hund ständig müde sei, weil er andauernd gähnen würde. Sogar wenn andere Hunde ihn zum Spielen auffordern, fängt er an zu gähnen. Wir haben uns die verschiedenen Situationen, bei denen ihre Fellnase gähnt, schildern lassen.
Uns wurde schnell klar, dass der Hund nicht müde sondern vielmehr sehr zurückhaltend bis ängstlich war und das Gähnen als Signal gegenüber anderen Hunden aber auch Menschen eingesetzt hat, um sie zu beschwichtigen. Wir haben den Hundehaltern erklärt, dass das ganz normale Reaktionen von Hunden sind, um zu zeigen, dass sie in guter Absicht unterwegs sind und keine Konfrontation mit ihrem Gegenüber (Mensch oder Hund) haben möchten. Unsere Kunden konnten wir damit beruhigen, da sie sich schon Sorgen gemacht hatten, dass mit ihrem Liebling etwas nicht stimmen würde.
Unsere Buchempfehlung:
Wenn Ihr mehr über die sogenannten Beschwichtigungssignale Eurer Vierbeiner erfahren möchtet, dann möchten wir Euch das Buch „Calming Signals – die Beschwichtigungssignale der Hunde“ von Turid Rugaas empfehlen. Die Autorin hat über Jahrzehnte die Kommunikation der Hunde erforscht und die wichtigsten „Calming Signals“ in ihrem Buch verständlich beschrieben und mit zahlreichen Beispielen hinterlegt. Nach diesem Buch werdet Ihr bestimmt ganz anders auf das Verhalten Eures oder auf das von anderen Hunden achten. Und es macht Spaß, dadurch Hunde besser zu verstehen.
Unser Tipp:
Und wenn Ihr keine Zeit und Lust habt, das komplette Buch zu lesen ....
In den nächsten Tagen werden wir die aus unserer Sicht wichtigsten Beschwichtigungssignale aus dem Buch von Turid Rugaas in einer Tabelle zusammenfassen, mit Beispielen hinterlegen und zusätzliche Informationen zu den Signalen aufführen. Diese werden wir dann in unserem nächsten Beitrag in unseren „Hundegeschichten“ am kommenden Donnerstag veröffentlichen.
Freut Euch schon drauf und viel Spaß beim Lesen, Lernen & Beobachten!
