Urlaub mit Hund - bitte nicht nachmachen
Ein Erfahrungsbericht (oder so etwas ähnliches)
Endlich waren alle Koffer gepackt, und auch den Vierbeiner konnte ich überreden, aus dem Koffer raus zu klettern, ohne dass er befürchten müsse, nicht mit zu dürfen. Also, alles ins Auto und Hund in den Kofferraum. So weit so gut. Die ersten Kilometer ging auch alles gut, bis es auf der Landstraße plötzlich zu regnen begann und ich merkte, dass ich völlig vergessen hatte dem Hund beizubringen, dass der Scheibenwischer KEINE Jagdbeute ist, und er nicht wie wild vom Kofferraum über die Sitzbank in die Frontscheibe springen muss. Mit Ach und Krach konnten wir ihn davon abhalten weiter Jagd auf den Scheibenwischer zu machen, am Standstreifen anhalten und den Hund wieder in den Kofferraum bugsieren.
Dann eben so ...
Diesmal waren wir schlauer und schnallten ihn mit seiner Leine im Kofferraum an. Dann eben so! Weiter ging die Fahrt. Über die Autobahn, unsere Stimmung war gut und auch dem vierbeinigen Freund schien es gut zu gehen. Zumindest hörten wir nichts. Bis wir von der Autobahn mussten und es über Serpentinen weiter ging. Es dauerte gar nicht lange da hörten wir die schrecklichsten Würgegeräusche und irgendetwas, was in den Kofferraum flatschte. Kurz hoffte ich, mich verhört zu haben, die Hoffnung zerplatzte aber sofort, da der Gestank in Sekundenschnelle unaushaltbar war. Bevor es uns in die Ohnmacht trieb, hielten wir schnell wieder an, um nach dem Rechten zu sehen. Na toll! Unser kleiner Vierbeiner wird also Autokrank! Und nicht nur das! Bevor er seinen Mageninhalt nach außen, über unseren Koffer leeren konnte, scheint er sich auf der Autobahn damit beschäftigt zu haben, unseren Koffer mit kleinen Löchern zu versehen und durch die kleinen Bisslöcher lief nun also sein Rind mit grünes Pansen von heute Morgen. Großartig! Deshalb hörten wir also so lange nichts von ihm. Na gut. Es half ja nichts. Und von so einer (stinkenden) Kleinigkeit würden wir uns sicherlich nicht den Urlaub vermiesen lassen. Also suchten wir alle Taschentücher und Lappen zusammen, wischten das Gröbste weg und machten uns auf die Suche nach einer Tankstelle.
Die Rettung - 23 Duftbäumchen
In der Raststätte wurden wir zum Glück fündig und waren nun stolze Besitzer von 23 Duftbäumchen. Durch dieses duftende Potpourri an verschiedensten Geschmacksrichtungen ging zum Glück der Gestank von grünem Pansen ein wenig unter. Unser Fellknäuel kam dann nach vorne auf den Beifahrersitz, schön angeschnallt an seinem Geschirr, wie ich das in der Hundeschule gelernt hatte und ich musste - missmutig knurrend – nach hinten. So würden wir es hoffentlich ohne weitere Missgeschicke bis zu unserem Ziel und der erlösenden Waschmaschine aushalten. Außer, dass mein Freund leicht gereizt gestimmt war und ich ein äußerst schlechtes Gewissen hatte, da ich ihm den Urlaub so schöngeredet hatte, lief die restliche Fahrt eigentlich ereignislos. Nach etlichen Stunden Fahrt und dröhnenden Kopfschmerzen durch die 24 verschiedenen Gerüche erhellte sich unsere Stimmung aber sofort, als wir das Meer sahen. Was sollte jetzt noch kommen? – fragte ich mich, nichts ahnend, dass die Fahrt noch rein gar nichts war, im Vergleich zu dem, was noch folgen sollte.
Erst mal Revier abstecken!
Unsere Unterkunft war, wir oben geschildert, wirklich traumhaft. Bevor sie also den Gestank des Koffers annehmen konnte, entschied ich mich, die Klamotten direkt zu waschen, und meinen Freund mit der Fellnase allein zu lassen, damit sie sich schon mal die Unterkunft genau anschauen und sich von den Strapazen erholen konnten. Hätte ich das mal nicht gemacht. Dem Fellbüschel gefiel sein neues Revier anscheinend auch sehr gut, denn mein Freund kam gar nicht hinterher, seine Markierungen wieder wegzuwischen. Wutschnaubend trampelte er zu mir und knurrte, der Hund sei jetzt vor der Tür, an einem Stuhl angeleint. Die Worte hätte er sich wohl sparen können, denn das folgende Szenario war nicht zu überhören. Wir rannten zur Tür und sahen eine Straßenkatze, die schreiend die Flucht ergriff, dahinter meine kläffende Töle und hinten dran ein Stuhl der klappernd an der Leine hinterher gezogen wurde. Puuuh. Wo war ich eigentlich, als das Thema Jagdtrieb in der Hundeschule durchgenommen wurde? Also Schuhe an, und dem Gefolge hinterher! Erst Wochen später verriet mir mein Freund, dass er diese Szene auf Video aufgenommen hat. Irgendwie gelang es mir, mich auf den Stuhl zu stürzen und die wild gewordene Bestie wieder einzufangen.
Endlich zum Strand
So. genug für einen Tag, dachte ich und so entschlossen wir uns, den restlichen Tag am Strand zu verbringen und ein wenig das schöne Wetter zu genießen. Im Vergleich zum vorherigen Geschehen, gelang uns das auch. Unser Vierbeiner jagte zwar der ein oder anderen Möwe hinterher, entschloss sich, dass die Kinder kein Anrecht auf ihren Ball hatten, rannte mit diesem vor uns weg und wurde von einem Krebs in die Nase gebissen, beim Versuch das tiefste Loch zu buddeln. Alles in allem also wirklich ein entspannter Nachmittag.
Im Restaurant
Auch der nächste Tag lief ähnlich ab und da wir neuen Mut gefasst hatten, entschieden wir uns, abends in ein Strand-Restaurant zu gehen und unseren Vierbeiner mitzunehmen und auf eine Decke zu legen. Leider schaute er diese mit dem Hintern nicht an und buddelte stattdessen heftigst im Sand und warf diesen wild um sich auf die anderen Restaurantbesucher. Höchstwahrscheinlich haben wir lebenslang Hausverbot denn: Wir banden ihn am Tisch an (was er mit Stühlen macht, hatten wir ja am Vortag schon erfahren müssen). Auch keine gute Idee! Es kam wie es kommen musste, wir hatten endlich den Hund überredet sich hin zu legen, da übersah der Kellner seinen Schwanz, trat drauf und der Hund sprang wie von der Tarantel gestochen auf und riss die gesamte Rotweinflasche mit sich. Diese flog so ungünstig, dass der Rücken, der im schicken, weißen Kleid der Dame am Nachbartisch steckte, einmal eine Rotweinspur von oben bis unten abbekam. Wir entschieden uns dann eine neue Flasche Rotwein und das bestellte Essen to-go zu wollen und ergriffen die Flucht.
Gute Vorsätze für's nächste Mal
Das war einfach zu viel des Guten. Und so beschlossen wir, dass der kleine Vierbeiner wohl noch nicht bereit war für einen Urlaub dieser Größe. Wir packten also unseren noch immer stinkenden Koffer, setzten die kleine Fellnase auf den Beifahrersitz und meinen Freund auf die Rückbank und mit samt 23 Duftbäumchen traten wir geknickt den Heimweg an.
Aber so leicht würde ich nicht aufgeben, beschloss ich, und dem Ganzen eine zweite Chance geben, und meinen Hund urlaubsreif trainieren. Und zu Hause würde ich erstmal auf Knien betteln, dass auch mein Freund uns eine zweite Chance geben würde.
Ich entschied, die Hundeschule ab jetzt doch ernst zu nehmen und so zu trainieren, dass wir beim nächsten Mal einen entspannten Urlaub haben können. Und wenn es Dich interessiert, wie ich das hinkriegen möchte, schau doch mal am Donnerstag vorbei, wenn es in Teil 3/3 heißt „Urlaub mit Hund – unbedingt nachmachen“


