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"B.A.R.F. - Alles nur ein Hype?"

Interview mit Frau Christine Schäfer, Inhaberin von SUNNYs FUTTERNAPF und Tier-Homöopathin in Langen zum Thema B.A.R.F. (Rohfütterung unserer Hunde)

B.A.R.F. - Alles nur ein Hype?

Interview mit Frau Christine Schäfer, Inhaberin von SUNNYs FUTTERNAPF in Langen zum Thema „B.A.R.F. – Alles nur ein Hype?“


Hundeverrückt: “Wofür steht die Abkürzung B.A.R.F.?”

Sunnys Futternapf: Zunächst stand diese Abkürzung für „Born-Again Raw Feeders“ (‚wiedergeborene Rohfütterer‘),dann „Bones And Raw Foods“ (‚Knochen und rohes Futter‘). Der australische Tierarzt Ian Billinghurst veröffentlichte im Jahr 1993 das Buch Give Your Dog A Bone und prägte die Bedeutung des Akronyms in Richtung „Biologically appropriate raw food“, was im Deutschen mit „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“ übersetzt wurde.

Hundeverrückt: „Seit wann gibt es B.A.R.F. und wo kommt es her?“

Sunnys Futternapf: Die Frage müsste nicht lauten „Seit wann gibt es B.A.R.F. und wo kommt es her?“ sondern eher, seit wann gibt es Fertigfutter und wo kommt es her:
Im Zuge der industriellen Futterherstellung wurde dem Halter erklärt, nur die Futterindustrie sei in der Lage, gesundes und ausgewogenes Futter herzustellen. Selber kochen würde zwangsläufig zu Über- bzw. Unterversorgung mit Nährstoffen, Vitaminen etc. führen und somit die Gesundheit des Hundes gefährden. Eine absurde Annahme, weil es Tüten und Dosen erst seit wenigen Jahrzehnten gibt und auch heute noch nicht in jeder Ecke der Welt …und die Wölfe / Hunde gediehen und gedeihen trotzdem seit mindestens 15.000 Jahren.
Fertigfutter für Hunde und Katzen ist vergleichbar mit Konserven und Tütensuppen für Menschen – wohin diese einseitige Ernährung der modernen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten geführt hat, sehen wir ja und wohin das Industriefutter für unsere Tiere hinführt, sehen wir auch: Alle Zivilisationskrankheiten, die die Menschen haben, haben inzwischen auch unsere vierbeinigen Lebensgefährten, selbst Schlaganfall und Diabetes.
Vor dieser „Industrialisierung“ wurden die Hunde weitgehend „artgerecht“ ernährt – sie bekamen das, was übrig blieb.

Hundeverrückt: : “Ist rohes Fleisch als Hauptnahrungsmittel für den Hund wirklich geeignet? Haben sich seine Bedürfnisse durch die Domestikation durch den Menschen nicht komplett verändert?“

Sunnys Futternapf: Die industrielle Futterherstellung ist erst etwa 70 Jahre jung …. und 70 Jahre reichen evolutionsmäßig nicht aus für eine Anpassung des Organismus an solch eine radikale Änderung. Trotz Domestikation ist der Hund zu 92 % – egal wie er inzwischen sein Aussehen verändert hat – innerlich immer noch ein Wolf. Der Wolf ist kein reiner Fleischfresser. Außer Beutetieren frisst der Wolf Obst, Kräuter, Beeren, Gräser, Wurzeln, Insekten und auch den Kot der Pflanzenfresser.

Hundeverrückt: “Ist BARF nur ein momentaner Hype und wird völlig überbewertet?“

Sunnys Futternapf: Gesunde Ernährung kann nie ein momentaner Hype sein und auch nie überbewertet werden. Was ich allerdings nicht gut finde ist, dass immer neue „BARF-Propheten“ aus dem Boden schießen wie Pilze – jeder hat’s erfunden und jeder weiß es besser. Es gibt nur eine gesunde Ernährung und die braucht keine Konzepte. Ausgewogenheit ist bei der Ernährung von Haustieren genauso wichtig, wie bei der Ernährung von Menschen.

Hundeverrückt: “Ist die Wirkung der Roh-Fleisch-Ernährung im Allgemeinen abhängig von Größe und Rasse des Hundes?“

Sunnys Futternapf: Die Wirkung der Rohernährung hat nichts mit Größe oder Rasse zu tun, sondern mit den Anforderungen, die an den Hund gestellt werden. Ein Familienhund, der sonst keine großen Aktivitäten hat, wird in der Zusammensetzung sicher etwas anders ernährt, als ein Schlittenhund, der selbst im Winter draußen bleibt oder ein Sporthund – diese brauchen dann eher energiereicheres Futter sprich protein- und fettreich und sicher auch in einer anderen Menge, als ein Hund der nur spazieren geht. Die Rasse selbst ist völlig nebensächlich – Hund ist Hund. Für die Futtermenge gibt es eine Faustregel, damit man eine ungefähre Orientierung hat, aber wie viel ein Hund letztendlich braucht ist individuell unterschiedlich – der Hauptbestandteil der Nahrung sollte allerdings aus Fleisch und fleischigen Knochen bestehen.

Hundeverrückt: “Wie groß ist die Gefahr von Salmonellenvergiftung oder anderen Krankheitserregern durch die Rohfleischfütterung.“

Sunnys Futternapf: Es wurden Studien zu diesem Thema angefertigt und die größten Salmonellenausscheider waren Trockenfutterhunde. Prinzipiell kommt ein Hund mit Salmonellen besser klar als ein Mensch, d.h. er erkrankt nicht so schnell an Salmonellose, da er etwa doppelt so viele Erreger pro qcm verkraften kann als Menschen. Wenn man sich zunächst vor Augen führt, dass ein Hund als „Allesfresser“ auch Aas frisst, muss ein gesunder Hundeorganismus im Prinzip mit solchen und ähnlichen Erregern klar kommen. Allerdings ist es heute alles ein bisschen anders und man sollte schon darauf achten, wo man das Fleisch her bekommt und auch beim Geflügel genauso die Hygienemaßnahmen beachten, wie wenn man beispielsweise ein Huhn für sich selbst zu bereitet. Salmonellen sind Oberflächenbakterien und hier kann man die Anzahl schon durch Abspülen reduzieren.
Anders sieht es aus beim Aujetzky-Erreger, der auf/in Schweinefleisch zu finden sein kann. Da der Hund das Fleisch roh bekommt, kann dieser Erreger u.U. für ihn tödlich sein – für uns Menschen weniger, da wir unser Fleisch erhitzen und den Erreger dabei abtöten. Auch Butolismus-Erreger können einen tödliche Gefahr für den Hund darstellen. Diese Erreger gedeihen bei Verderbnis unter Luftabschluss, deshalb rohes vakuumiertes Fleisch nicht bei Zimmertemperatur liegen, oder auftauen lassen.

Hundeverrückt: “Ab welchem Alter kann mein Hund „gebarft“ werden? Der Hund im Wachstum muss ja unbedingt ausgewogen und altersgerecht gefüttert werden.“

Sunnys Futternapf: Vom Welpenalter an – allerdings muss hier dann neben der entsprechend größeren Menge (4-6,  manchmal sogar bis zu 10% vom Körpergewicht) auf die entsprechende Calciumzufuhr geachtet werden und im Wachstum sollten die Gelenke unterstützt werden. Ansonsten gilt auch hier Ausgewogenheit.

Hundeverrückt: “Wo liegt der Vorteil von BARF gegenüber von Trocken- / oder Dosenfutter?“

Sunnys Futternapf: Geringerer Kotabsatz, da alles verwertet wird, gesunde Zähne ohne Zahnstein, kein Schnauzen- oder Körpergeruch, kein zu schnelles Wachstum der Welpen.

Hundeverrückt: “Woher weiß man, ob das Fleisch aus artgerechter Haltung stammt?“ (also generell, z.B. wenn man im Internet bestellt und nicht bei Ihnen persönlich einkauft)

Sunnys Futternapf: Bei Internetbestellungen muss man sich darauf verlassen, was einem die Website erzählt – man kann hier meistens genauso wenig nachprüfen, was verarbeitet wird, wie bei Industriefutter. Ideal ist es, wenn man entweder selbst einen Schlachthof in der Nähe hat und dort vor Ort nachfragen kann, wo die Schlachttiere her kommen oder man hat einen BARF-Laden, der sein Fleisch nur von Schlachthöfen mit Schlachttieren aus der Region bezieht und nicht von sogenannten Europaschlachthöfen.

Hundeverrückt: “Woher weiß ICH, welche Nährstoffzusammenstellung MEIN Hund braucht – es gibt ja keine generellen „Menu-Pläne“?“

Sunnys Futternapf: Gesunder Menschenverstand – man muss nur wissen, dass der Hund überwiegend Fleisch braucht und der Rest ist – wie die eigene Ernährung – Ausgewogenheit. Ein Hund braucht genauso wenig wie sein Mensch jeden Tag von jedem alles. Ist der Hund fit, fröhlich, hat ein prima Fell, das man gerne anfassen mag, ohne das Bedürfnis zu haben, sich dringend die Hände waschen zu müssen (es sei denn der kleine Liebling war irgendwo im Dreck unterwegs ;-)), das nicht schuppig ist, hat ein gesundes Gebiss ohne Zahnstein, keinen schlechten Atem etc. kann man davon ausgehen, dass alles passt.
Wer sicher gehen will, kann ja nach einigen Monaten ein Blutbild machen lassen und sieht dann, dass die Werte in Ordnung sind – stimmt etwas nicht, liegt meist weniger eine Mangelernährung vor, als dass der Hund etwas nicht richtig verwertet.

Hundeverrückt: “Weiß man tatsächlich die genaue Zusammensetzung des Futters? (Frage geht in Richtung Antibiotika im Fleisch / artgerechte Tierhaltung …)“

Sunnys Futternapf: Wenn man nach Antibiotika im Fleisch fragt, sollte man als erstes nach den Inhaltsstoffen im Industriefutter fragen und nicht nur das lesen, was auf der (geduldigen) Packung steht, dann erübrigt sich die Frage von allein.

Hundeverrückt: “Wie hoch sind die Kosten? Ist „barfen“ nicht besonders teuer, wenn das Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammt?“

Sunnys Futternapf: Rohfütterung, wenn man sich selbst um die Fleischquelle kümmert, ist sogar günstiger als Fertigfutter – es wird auf jeden Fall dann günstiger, wenn man die Tierarztkosten, die durch ungesundes Industriefutter entstehen, mit berücksichtigt.

Hundeverrückt: “Kann man einfach von heute auf morgen von Fertigfutter auf BARF umstellen?“

Sunnys Futternapf: Das kommt auf das Alter und die Konstitution des Hundes an. Einen jungen, gesunden Hund kann man u.U. radikaler umstellen, als einen alten oder eventuell kranken Hund.
Der Hund braucht zur Bildung der Magensäure und Verdauungsenzyme den Schlüsselreiz Fleisch. Einem Hund, der jahrelang nur Industriefutter erhalten hat, fehlen diese wichtigen Voraussetzungen und die Umstellung kann mit Durchfall, Verstopfung oder Erbrechen einhergehen. Besser ist es, langsam vorzugehen und den Organismus daran zu gewöhnen. Äußerste Vorsicht gilt beim Verfüttern von Knochen.

Hundeverrückt: “Was mache ich im Urlaub?“

Sunnys Futternapf: Entweder man hat die Möglichkeit etwas eingefroren mit zu nehmen oder man kann vor Ort im Supermarkt oder Metzger einkaufen oder man weicht für die kurze Zeit mal auf hochwertiges Nassfutter aus – mit hochwertig meine ich reine Fleischdosen mit 80-85 % Fleischanteil – aber möglichste kein Trockenfutter.

Hundeverrückt: “Was muss ich meinem Hund noch füttern, damit es nicht einseitig wird?“

Sunnys Futternapf: Dem Hund ist es egal, ob er nur Huhn oder nur Rind bekommt. Lebt ein Wolf in einer übergroßen Hasenpopulation, gibt es so lange Hase, bis diese wieder auf ein verträgliches Maß gestutzt ist. Sie hüpfen ihm ja praktisch vor der Nase rum und er muss keine große Energie aufwenden. Wenn ein Hund nur eine einzige Eiweißquelle verträgt, dann ist das eben so; allerdings kann man hier abwägen, ob man noch die ein oder andere Nahrungsergänzung zu füttert.

Hundeverrückt: “Muss es wirklich so exotisch sein – Büffel, Antilope, etc.?“

Sunnys Futternapf: Hat der Hund eine Allergie entwickelt und man will über eine Ausschlussdiät herausfinden gegen was er allergisch ist, dann können diese „Exoten“ hilfreich sein und man füttert eine Eiweißquelle, die er mit Sicherheit noch nie hatte.

Hundeverrückt: “Stimmt es, dass Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker auf den Verpackungen des Industriefutters NICHT deklariert sein müssen?“

Sunnys Futternapf: Alle Zusätze, die importiert werden, sind nicht deklarationspflichtig. Was in Deutschland produziert wird ist deklarationspflichtig. Um das zu umgehen, wird importiert.

Hundeverrückt: “BARF für Anfänger? Braucht man nicht vertiefte Kenntnisse zur Tierernährung (für oft überzüchtete Hunderassen, die nicht mehr viel mit dem Wolf zu tun haben) und ist dadurch völlig überfordert bzgl. der richtigen Zusammensetzung?“

Sunnys Futternapf: BARF ist kein Hexenwerk – es wird aber leider dazu gemacht, weil – wie ich schon sagte – „jeder hat’s erfunden“ und jeder will mit Wissen glänzen und jeder schreibt heutzutage dazu sein Buch oder füllt Seiten damit im Internet und verunsichert dadurch den Hundehalter.
Wie gesagt ein, zwei Grundregeln und der gesunde Menschenverstand. Hunde haben es seit ihrer Domestikation vor 15.000 Jahren bis vor ca. 70 Jahren überlebt – sie bekamen bis dahin Fleisch oder das was der Mensch übrig ließ – doch erst seit die Industrie dahinter gekommen ist, wie man aus …… Geld macht, geht es nicht mehr ohne.

Hundeverrückt: “Wie groß ist die Gefahr von Schilddrüsenproblemen durch reine Fleischfütterung?“

Sunnys Futternapf: Ich habe in meinem Geschäft noch keinen Fall von Schilddrüsenproblemen durch Rohfütterung gehabt, es war eher umgekehrt. Die Leute kamen zu mir, weil der Hund durch das Industriefutter alle möglichen Probleme – u.a. auch mit der Schilddrüse – hatten, die dann nach und nach verschwanden. Ich denke, dass das u.a. mit den nicht nachvollziehbaren Inhaltsstoffen im Industriefutter zusammen hängt – und wenn die wegfallen und der Hundeorganismus noch nicht zu sehr geschädigt wurde, sich das alles wieder reguliert.

Hundeverrückt: “Ist eine Kombination zwischen BARF und Trocken- / Nassfutter sinnvoll?“

Sunnys Futternapf: Nein, denn es sind unterschiedliche Verdaulichkeiten und das führt langfristig zu Verdauungsstörungen

Hundeverrückt: “Gibt es BARF-Workshops oder Infoveranstaltungen?“

Sunnys Futternapf: Swanie Simon bietet so etwas hin und wieder an.

Hundeverrückt: “Kann es sein, dass auch minderwertige Schlachtabfälle weiterverarbeitet und als Hundefutter verkauft werden?“

Sunnys Futternapf: Meiner Meinung nach fast ausschließlich – zumindest industriell hergestelltes Futter – aus allem wird Geld gemacht.

Hundeverrückt:“Könnte ich meinen Hund auch komplett vegetarisch füttern?“

Sunnys Futternapf: Nein. Ein Hund ist zwar ein sogenannter Allesfresser, aber er braucht überwiegend Fleisch. Es würde hier zu einer Mangelernährung kommen.

Hundeverrückt: “Vielen Dank Frau Schäfer für diese detaillierten Einblicke ins Thema „B.A.R.F.“

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