Schimmelspürhunde – eine Nasenlänge voraus

Wo Mensch und Maschine an ihre Grenze kommen
Schimmel gehört eindeutig zu den Dingen, die man nicht im Haus haben möchte. Als Laie bemerkt man ihn dabei meistens erst dann, wenn es schon zu spät ist. Der geübte Fachmann kann das schon besser, doch ohne potenziell befallene Wände oder Möbel zu beschädigen hat auch er ein großes Problem: Nur ca. 15% des Schimmelbefalls sind oberflächlich und somit sichtbar, die restlichen 85% lassen sich mit dem bloßen Auge nicht erkennen. Was also tun?
Eine mögliche und höchst effektive Methode ist der Einsatz von Schimmelspürhunden. Im Gegensatz zu uns Menschen und auch Maschinen können sie den Schimmel nämlich nicht nur mit ihrem Geruchssinn erkennen, sondern den Ursprung auch präzise lokalisieren – ganz egal ob er sichtbar ist oder nicht. Hat man also z.B. den Verdacht, dass sich Schimmel in einer Wand ausbreitet, kann man dies durch Einsatz eines vierbeinigen Experten überprüfen, ohne gleich Teile der Wand herausnehmen zu müssen.
Ich brauche die Hilfe eines Schimmelspürhundes. Was machen?
Den eigenen Vierbeiner schnell mal zum Schimmelexperten aufrüsten ist leider nicht so einfach, und würde richtige Schimmelspürhunde auch ziemlich kränken. Diese beginnen nämlich bereits im Welpenalter mit dem ca. einjährigen Training, an dessen Ende eine Abschlussprüfung und ein Wesenstest stehen. So kann sichergestellt werden, dass die Hunde zuverlässig und genau arbeiten, nebenher nicht in der fremden Wohnung markieren und sich auch nicht durch andere Gerüche wie Parfum, die Biomülltonne oder den Geruch von fremden Haustieren irritieren lassen.
Glücklicherweise besteht die Möglichkeit, Schimmelspürhunde zu mieten. Im Voraus müssen ein paar Vorkehrungen getroffen werden, damit der Hund ideal arbeiten kann (man erhält einen Plan wie man im Voraus richtig lüftet, damit die Fellnasen die Schimmelsporen ideal riechen können), dann kommen Hundeführer und Spürnase vorbei und lokalisieren Schimmelquellen – bei Bedarf auch mit mehreren Hunden und einer so hohen Genauigkeit, dass das Ergebnis sogar der rechtlichen Beweiserhebung dienen kann.
Macht den Hunden diese Aufgabe Spaß, oder werden sie gezwungen?
Der Schlüssel zum Erfolg ist bei dieser Ausbildung, wie auch bei uns in der Hundeschule, die positive Verstärkung. Die Hunde werden nicht bestraft, wenn sie den Schimmel nicht aufspüren können, sondern das Aufspüren wird mit einer Belohnung verknüpft. So ist es üblich, dass den Hunden schon im Welpenalter beigebracht wird, den Geruch von Schimmelsporen mit ihrem Lieblingsspielzeug zu verknüpfen. Wenn sie sich also in einem Haus auf die Suche nach Schimmel machen, dann geben sie ihr bestes, weil sie wissen, dass sie als Belohnung ihr Spielzeug erhalten. Die kognitive Herausforderung, den Schimmel zu erschnüffeln und zu lokalisieren ist außerdem, wie auch gewöhnliche Schnüffelspiele, eine super Möglichkeit, um Fellnasen geistig zu fordern.
Apropos Supernase, können Hunde nicht auch Corona erschnüffeln?
Tatsächlich können Hunde sogar Covid-19 Viren erschnüffeln, und zwar auf erstaunliche Weise: bereits nach nur einer Woche Training konnten Hunde in einem Pilotprojekt Speichelproben, die das Virus enthielten von denen unterscheiden, die Virusfrei waren – mit einer Genauigkeit von sage und schreibe 94%, unabhängig davon ob die Versuchspersonen Symptome hatten oder nicht. Ob Corona-Spürhunde in Deutschland allerdings wirklich großflächig zum Einsatz kommen, ist fragwürdig. Weil die von der Politik vorgegebenen Anti-Corona-Maßnahmen den umfangreichen Einsatz von Schnelltests vorsehen, fehlen weitere Gelder für die Schulung und den Einsatz von Covid-Spürnasen.
Solltet ihr allerdings demnächst wieder in Ländern wie Finnland, USA oder den Arabischen Emiraten am Flughafen sein, dann macht euch darauf gefasst, ordentlich abgeschnüffelt zu werden – dort kommen die Virus-Spürnasen nämlich bereits zum Einsatz.